Israel: Empörung nach Veröffentlichung eines Obama-Gebets
29 Juli 2008- Crossnet
US-Politiker bat an der Klagemauer um Gottes Hilfe und um Sündenvergebung
J e r u s a l e m (idea) – Die Veröffentlichung eines Gebets des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten, Barack Obama (Chicago), hat in Israel Empörung ausgelöst. Bei seinem Besuch in Jerusalem hatte Obama am 24. Juli einen Zettel mit einem von ihm formulierten Gebet in die Ritzen der Klagemauer gesteckt. Nach der jüdischen Tradition ist der Inhalt eines solchen Gebets nur für Gott bestimmt. Doch Medienberichten zufolge zog ein Student den Zettel heraus und spielte das Gebet der Zeitung „Maariv“ zu, die es auf ihrer Titelseite im Wortlaut veröffentlichte. Daraufhin wurde bei der Generalstaatsanwaltschaft Anzeige erstattet, der für die Klagemauer zuständige Rabbi sprach von „Gotteslästerung“. Wie die „Jerusalem Post“ berichtet, habe „Maariv“ mit der Veröffentlichung die „Privatsphäre und Ehre von Senator Obama sowie die Gefühle jedes israelischen Bürgers und die Heiligkeit der Klagemauer verletzt“. Sie zitierte einen Rechtsanwalt, der zu einem Boykott von „Maariv“ aufrief, bis die Zeitung sich öffentlich entschuldige.
Rabbi spricht von Entweihung einer heiligen Stätte
Rabbi Schmuel Rabinowitz, der die Klagemauer betreut, reagierte ebenfalls empört. Der Fernsehsender CNN zitiert ihn mit den Worten: „Dieses Sakrileg verdient eine scharfe Verurteilung und kommt einer Entweihung dieser heiligen Stätte gleich." Niemand dürfe die in der Mauer für Gott hinterlassenen Zettel lesen. Er steckte das Gebet Obamas zurück in die Klagemauer. „Maariv“ wies die Anschuldigungen zurück. Das Blatt behauptete, das Gebet Obamas sei zur Veröffentlichung freigegeben worden, kurz nachdem der Politiker es im King-David-Hotel in Jerusalem geschrieben habe. Weil Obama kein Jude sei, bedeute der Abdruck des Gebets auch keine Verletzung seiner Privatsphäre. Doch Obama hatte Fragen von Reportern zurückgewiesen, die wissen wollten, was auf dem Zettel stehe. Die zusammengefalteten Gebetszettel werden zweimal im Jahr aus der Wand genommen und an einem sicheren Ort aufbewahrt. „Maariv“ zufolge bittet Obama in seinem Gebet unter anderem um Weisheit bei seinen Entscheidungen, um Gottes Schutz und Hilfe sowie um Sündenvergebung.