G u n z e n h a u s e n (idea) – „Die größere Geschichte der Mission liegt noch vor uns. Aus den verschiedensten Ländern der Erde werden Missionare in die unterschiedlichsten Regionen der Welt entsandt. Dadurch kann unser blauer Planet noch viel intensiver evangelisiert werden, als es bis jetzt möglich war.“ Das sagte der Direktor der Marburger Mission, Rainer Becker, am 27. Juli in Gunzenhausen (Mittelfranken) auf dem „Fest der Mission“, das die Marburger Mission im 99. Jahr ihres Bestehens feierte. Gastgeber war das Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe. Bei dem Fest mit etwa 600 Gästen berichteten thailändische, deutsche und peruanische Missionare über ihre Erfahrungen als Urwald-Pioniermissionare, Gemeindegründer, Bibelschuldozenten und Lehrer an Schulen für Missionarskinder. Tätig sind sie in Südamerika, Südostasien und Russland. Mission als Einbahnstraße aus Europa in Richtung Dritte Welt werde es in Zukunft nicht mehr geben, sagte Becker gegenüber idea. Beispielsweise kämen Missionare aus Ostasien nach Nordamerika, aus Indien nach England, aus Afrika nach Mitteleuropa, aus Südamerika nach Südeuropa. Durch die missionarische Vernetzung erhalte Europa einen „spirituellen Zugewinn“.
Bibel nicht durch europäische Brille lesen
Die Überwindung des „Eurozentrismus“ hat laut Becker theologische Konsequenzen für die Marburger Mission. Sie investiere ein Drittel ihres Personals und ihrer Mittel in die theologisch qualifizierte Ausbildung von Einheimischen in Missionsgebieten. Die Studenten an den dortigen Bibelseminaren diskutierten, wie sie die Kultur ihrer Heimat mit der Botschaft der Bibel in Verbindung bringen könnten. Sie wollten die Bibel nicht mit einer europäischen Brille lesen. Die Marburger Mission ist gegenwärtig mit 45 Langzeit-Missionaren in acht Ländern vertreten. Auf dem Fest wurden 40 Kurzzeitmissionare in ihre Einsatzgebiete entsandt. Die jungen Leute klinken sich ein Jahr aus ihrem Beruf aus, um sich in einem Missionsteam zu engagieren.